Fachkunde und Berufskunde-Veranstaltungen im Bereich der Teilhabe am Arbeitsleben

Über die Veranstaltungen

Die Fachkundeveranstaltungen sind eine Fortbildungsreihe am BFW Leipzig zu wechselnden aktuellen Themen, die wir seit 2008 mit großer Resonanz durchführen.

Neben der „Berufskunde“ zu Ausbildungsberufen bzw. Qualifizierungsbereichen bieten wir analog die „Fachkunde“ zu aktuellen medizinischen und rehabilitationsspezifischen Themen an. 

 

Die Veranstaltungsreihe wendet sich an Berater/innen im Bereich der Teilhabe am Arbeitsleben (berufliche Reha) insbesondere von Rentenversicherungen, Arbeitsagenturen, Jobcentern und Unfallversicherungen aber auch Akteure aus medizinischen Einrichtungen, Klinken und weitere Netzwerkpartner. 

 

Von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) werden die Weiterbildungen zum Zertifikatserhalt für Disability Manager (Certified Disability Management Professional/CDMP) anerkannt. 

Die Fachkunde und Berufskunde-Veranstaltungen:

  • befassen sich mit aktuellen Themen aus der Medizin und Rehabilitation.
  • richten sich an Berater und Beraterinnen im Bereich der Teilhabe am Arbeitsleben (berufliche Reha).
  • sind bei der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung zum CDMP–Zertifikatserhalt
    anerkannt.

Rückblick 25. Fachkunde für Reha-Berater/-innen am BFW:
"Langzeitfolgen von Covid-19 und Herausforderungen für die berufliche Rehabilitation"

Langzeitfolgen von Covid-19 und Herausforderungen für die berufliche Rehabilitation

Am 14. Juli 2022 fand die mittlerweile 25. Fachkundeveranstaltung im BFW Leipzig statt. Mit großem Interesse verfolgten mehr als 90 Reha-Beraterinnen und Reha-Berater von Rentenversicherungen, Arbeitsagenturen, Berufsgenossenschaften sowie Reha-Ansprechpartner/innen die Vorträge der Referenten zu aktuellsten wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Langzeitfolgen einer Covid-19.

Am Vormittag der Veranstaltung standen die physischen Auswirkungen einer Covid-19 Infektion im Vordergrund. Herr Dr. med. Stefan Schwarz, Chefarzt der Pneumologie an der Paracelsus Harzklinik Bad Suderode GmbH berichtete, dass mittlerweile die Erkenntnisse über Covid-19 und die möglichen Spätfolgen nach einer überstandenen Erkrankung gewachsen sind, aber lang noch nicht ausreichen. So sind Patienten, die nach einer Covid-19-Erkrankung genesen sind, oft trotzdem nicht gesund. Neben anfangs diagnostizierten Lungen- und Atemproblemen kamen neurologische und kognitive Symptome hinzu, die von Viruserkrankungen bisher so nicht bekannt waren. Patientinnen und Patienten berichteten u.a. über Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Antriebslosigkeit sowie langanhaltende Ermüdungs- und Erschöpfungserscheinungen, dem sogenannte Fatigue-Syndrom, aber auch andauernden Geschmacks- und Geruchsstörungen. Covid-19 ist eine multiple Systemerkrankung mit enormer zeitlicher Persistenz.

Interessant waren die anschließenden Schilderungen von Herrn E. aus Sachsen-Anhalt, der selbst von den Covid-19-Langzeitfolgen betroffen ist. Seine individuellen Erlebnisse mit den Spätfolgen der Erkrankung verdeutlichten sehr eindrucksvoll, wie stark die Einschränkungen heute noch sein Lebensalltag beeinträchtigen.

Frau Stefanie Fehre, Fachärztin der Post-Covid-Ambulanz in der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Sächsischen Krankenhaus Altscherbitz referierte am Nachmittag zu den psychischen Spätfolgen nach einer Covid-19-Erkrankung. Über 300 Patienten nutzten bisher die Sprechstunden und das Angebot der Post-Covid-Ambulanz. Das Spektrum der gesundheitlichen Beeinträchtigungen ist dabei breit. Bei den Betroffenen traten häufig Bewusstseinsstörungen, die wie ein Nebel im Gehirn beschrieben werden, ein sogenannter „Brain Fog“ als neurokognitive Einschränkung, aber auch Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen (Multitasking), Mnestische Defizite (Gedächtnisstörungen), Wortfindungsstörungen, bleierne Müdigkeit, Erschöpfung, Antriebslosigkeit und Schlafstörungen auf. Ebenso berichteten Patientinnen und Patenten über Depressive Syndrome (insbesondere reaktiv auf andauernde Defizite), Angst- und Panikstörungen, PTBS, Chronische Schmerzstörungen (mit somatischen und psychischen Faktoren) sowie dem Vollbild eines post-infektiösen Chronischen Fatigue-Syndroms (CFS) (synonym Myalgische Encephalomyelitis, ME). Als Risikofaktoren für Post-Covid konnten vor allem psychische/psychosomatische Vorerkrankungen sowie Stress diagnostiziert werden. Dabei spielten auch die Lockdown-Einschränkungen und die Verarbeitung traumatischer Krankheitsereignisse eine Rolle. Therapeutische Priorität liegt in der Behandlung der psychischen Störungsbilder, durch die bei den Patientinnen und Patienten massive Einschnitte in ihr Leben entstanden waren. Darüber hinaus ging es darum, niedergelassene Psychiater/innen, Psychotherapeuten/innen oder Psychologen/innen als Weiterbehandler/in zu finden, was sich jedoch häufig schwierig gestaltet.

Abschließend referierte Herr Marko Daubitz, Psychologe (M.Sc.), Fachbereichsleiter BTZ am BFW in Leipzig über Bedarfe und Angebote zur beruflichen Teilhabe bei anhaltender Belastungsintoleranz nach einer Covid-19-Erkrankung. Die Komplexität und Vielfalt der Symptomatik macht einen interdisziplinäreren Ansatz in der Arbeit mit Betroffenen erforderlich, welcher die Einbeziehung unterschiedlicher Professionen erfordert und durch den Grand der Individualisierung neue Herausforderungen für die rehabilitative Arbeit setzt. So ist die Rehabilitation bei Menschen mit Long-Covid sehr individuell, was den Einsatz eines übergreifenden Konzeptes erschwert. Die jeweiligen Trainingsprogramme sind vielmehr auf die jeweilige Symptomatik und die bestehende Belastbarkeit auszurichten. Neben der Behandlung vom Menschen mit Long-Covid ging es auch um die grundsätzlichen psychischen Folgen der Pandemie und wie sich dies in veränderten Bedarfen widerspiegelt. Ein referiertes Beispiel hierzu ist der Zunahme von Essstörungen, bei der eine 13 prozentige Steigerung der Krankenhausbehandlungen im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen ist.

Im Ergebnis eine gelungene Veranstaltung zu einer hochrelevanten Thematik, welche die kommenden Herausforderungen zum Thema Long-Covid in den Fokus rückte und die zunehmende Bedeutung dieser Erkrankung für die berufliche Rehabilitation aufzeigte. Mit den vorgehaltenen Möglichkeiten am Berufsförderungswerk Leipzig und seinem Beruflichen Trainingszentrum (BTZ am BFW) verfügt das Haus jedoch über umfangreiche Möglichkeiten zur fachgerechten Begleitung dieser Betroffen und kann dabei auf langjährige Expertise im Umgang mit komplexen psychischen und neurologischen Rehabilitationsbedarfen zurückgreifen.

Ansprechpartner

Steffen Gonsior

Marketing

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