Manchmal führt der erste Plan nicht ans Ziel, dafür aber der zweite. Juliane Rüger zeigt eindrucksvoll, wie Durchhaltevermögen, fachliche Unterstützung und die richtige Entscheidung den Weg in einen neuen Beruf ebnen können.
Nicht jeder berufliche Neuanfang verläuft geradlinig. Umso beeindruckender sind Geschichten von Menschen, die Rückschläge als Chance begreifen und ihren Weg konsequent weitergehen. Genau dazu gehört Juliane Rüger.
Nach gesundheitlichen Herausforderungen entschied sie sich für eine berufliche Neuorientierung im Berufsförderungswerk Leipzig. Ihr erster Anlauf führte sie in die Umschulung zur Steuerfachangestellten. Schnell wurde jedoch deutlich, dass ihre persönlichen Stärken und ihr Lerntyp in einem anderen Beruf besser zur Geltung kommen würden. Gemeinsam mit ihrem Personalberater im Reha-Management sowie dem Leistungsträger wurde dieser Weg offen besprochen und eine neue Perspektive entwickelt.
Der Wechsel in die Umschulung zur Elektronikerin für Geräte und Systeme erwies sich als die richtige Entscheidung. Die Kombination aus fundierter Theorie und regelmäßigen praktischen Anwendungen entsprach genau ihrer Art zu lernen. Hinzu kam ihr ausgeprägtes technisches Verständnis, das sie von Beginn an mitbrachte.
Der Weg dorthin war dennoch kein Selbstläufer. Aufgrund ihrer gesundheitlichen Situation nahm sie die intensive Begleitung durch das Reha-Team in Anspruch. Die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten, ihr eigenes außergewöhnliches Engagement sowie ihr unermüdlicher Kampfgeist führten schließlich zum gemeinsamen Erfolg.
Heute arbeitet sie erfolgreich in der Forschungszentrum Ultraschall gGmbH und blickt mit Stolz auf ihren Weg zurück.
Wir haben mit ihr über ihre Erfahrungen gesprochen.
BFW Leipzig: Ihr Weg zur Elektronikerin begann ursprünglich mit einer anderen Umschulung. Was hat Ihnen gezeigt, dass ein Richtungswechsel genau die richtige Entscheidung war?
J.R.: Der Beruf der Steuerfachangestellten war interessant und kam mir für mich richtig vor. Leider war er zu theoretisch und das ist anscheinend nicht das, was mir liegt.
Ich bin ein Mensch, wie sich rausstellte, der sein Ergebnis der Arbeit anfassen können muss, also wirklich sehen muss, dass etwas entstanden ist. Eine Platine, die ich bestücke oder während der Umschulung der Aufbau der verschiedenen Schaltungen, wie zum Beispiel Wechsel-, Serien- und Kreuzschaltung, zeigten mir, was ich alles kann und ich sah damit einmal mehr, dass ich keine Theoretikerin bin.
Das Praktische macht mir Spaß und ich verstehe eher, was man von mir möchte, was mir das Lernen erleichtert hat. Das zeigte mir immer wieder aufs Neue, dass ich die richtige Wahl getroffen hatte und dass dies mein Weg ist.
BFW Leipzig: Die Umschulung zur Elektronikerin für Geräte und Systeme verbindet Theorie und Praxis sehr eng miteinander. Was hat Ihnen an dieser Lernform besonders gefallen und warum passte sie so gut zu Ihnen?
J.R.: Die Mischung aus Praxis und Theorie war für mich wirklich perfekt und ich konnte so auch dem Unterricht besser folgen, ihn verstehen und nachvollziehen, was ich lernte. Wir hatten trotz der Coronawelle einige praktische Übungen, wie zum Beispiel das Löten oder der Schaltungsaufbau, was wiederum das Verständnis für die Theorie erleichterte. Für alle, die genau so sind wie ich und eher das Praktische bevorzugen, ist diese Umschulung eine große Empfehlung von mir.
BFW Leipzig: Eine berufliche Neuorientierung bringt oft auch persönliche Herausforderungen mit sich. Was hat Ihnen in schwierigen Momenten Kraft gegeben, dranzubleiben?
J.R.: Für mich war es in der Zeit der Umschulung schwierig dranzubleiben, weil kurz nach dem Start die Coronawelle begann und wir zuhause lernen mussten. Ja, wir haben übers Internet mit Lehrern und Mitschülern sprechen können, aber es war nicht so wie es hätte sein können. Dennoch hatten mir die Lehrer das Gefühl gegeben, es schaffen zu können. Außerdem hatte ich meine Familie, die mir sagten, wenn ich zweifelte, dass ich die beste Entscheidung getroffen hatte und ich genau das Richtige machte.
Zum Zeitpunkt meiner Umschulung hatte ich auch noch meinen Hund an meiner Seite mit dem ich, wenn es schwierig wurde, in die Natur und somit raus aus dem Ganzen konnte. Ich persönlich lese auch viel und Geschichten, in die ich abtauchen konnte, brachten mir ebenfalls eine kurze Auszeit. Auch der enge Kontakt mit meinem Personalberater Herrn Bachem half mir in solchen Situationen.
BFW Leipzig: Sie wurden während Ihrer Umschulung intensiv durch ihren Personalberater begleitet. Welche Unterstützung hat Ihnen besonders geholfen und was hat die Zusammenarbeit für Ihren Erfolg bedeutet?
J.R.: Die Zusammenarbeit mit Herrn Bachem war während der gesamten Zeit für mich sehr angenehm, auf eine gewisse Art wie freundschaftlich, ich kann es nicht anders beschreiben. Ich hatte nicht das Gefühl nur sein Job zu sein und das wiederum half mir auch während der Umschulung bei Fragen und Problemen auf ihn zuzugehen.
Seit meinem Start der ersten Umschulung stand mir Herr Bachem zur Seite. Er hat mir damals in verschiedenen Sachen geholfen, vermittelte mir einen Termin bei der Psychotherapeutin des BFW und beriet mich, als es darum ging, welcher Beruf für mich wirklich in Frage kam, nachdem ich die erste Umschulung beenden musste. Durch ihn beschäftigte ich mich auch mit der Arbeit des Elektronikers und durfte ein paar Stunden am Unterricht teilnehmen. Das war der Startschuss in diesen Beruf, den ich erfolgreich abschloss und in dem ich auch heute arbeite.
BFW Leipzig: Heute sind Sie bei der Forschungszentrum Ultraschall gGmbH Was umfasst Ihre Tätigkeit dort, was macht Ihnen besonders Freude und welchen Rat würden Sie Menschen geben, die ebenfalls über einen beruflichen Neustart nachdenken?
J.R.: Heute arbeite ich im Forschungszentrum Ultraschall gGmbH im Elektroniklabor. Wir sind ein kleines Forschungszentrum aus Halle. Platinen bestücken, löten, prüfen, Kabel mit unterschiedlichen Anschlüssen versehen und noch einige andere Dinge gehören zu meinen Aufgaben. Ich mag alles daran und möchte es auch nicht mehr missen. Ich bin sehr glücklich darüber den Weg der Umschulung gegangen zu sein und heute hier zu stehen, wo ich bin.
Für mich geht das Lernen auch noch weiter, denn ich beginne eine Weiterbildung zur Technikerin dieses Jahr, worauf ich mich sehr freue und gleichzeitig auch etwas Respekt habe.
Durch Personalberater, Lehrer, andere Mitarbeiter und auch Mitschüler habt ihr die beste Unterstützung, die ihr haben könnt. Was ich jedem rate, der eine Umschulung machen möchte: Macht es, glaubt an euch und denkt daran, ihr macht das Ganze nur für euch selbst, für niemanden anderen. Ihr möchtet weiter kommen in eurem Leben und diese Umschulung kann der erste wertvolle Schritt in diese Richtung sein.
Juliane Rüger an ihrem Arbeitsplatz bei der Forschungszentrum Ultraschall gGmbH in Halle an der Saale.
Juliane Rügers Geschichte zeigt eindrucksvoll, dass ein beruflicher Neuanfang nicht immer auf direktem Weg verläuft und genau darin oft seine größte Stärke liegt. Manchmal ist es der Mut, den eingeschlagenen Kurs noch einmal zu ändern, der schließlich zum Ziel führt.
Im Berufsförderungswerk Leipzig begleiten erfahrene Fachkräfte Menschen auf diesem Weg individuell und ganzheitlich. Gemeinsam werden Lösungen entwickelt, Stärken erkannt und neue Perspektiven eröffnet. Immer mit dem Ziel, eine nachhaltige Rückkehr ins Berufsleben zu ermöglichen.
Frau Rügers Erfolg ist deshalb weit mehr als ein gelungener Berufsabschluss. Er steht für das, was entstehen kann, wenn persönlicher Einsatz, professionelle Begleitung und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit Hand in Hand gehen.
Sie möchten mehr über die Möglichkeiten einer beruflichen Rehabilitation oder einer Umschulung im BFW Leipzig erfahren? Dann informieren Sie sich auf unserer Webseite über unsere Angebote oder rufen Sie uns an unter: 0341.91 75-306.
Vielleicht beginnt auch hier Ihre persönliche Erfolgsgeschichte!