„Der Wille, für meine Familie zu sorgen …“

Frank Möckel, 47 Jahre, hat Anfang des Jahres seine Umschulung zum Elektroniker für Geräte und Systeme im Berufsförderungswerk Leipzig (BFW Leipzig) absolviert. 2013 begann er seine Qualifizierungsmaßnahme und konnte diese mit einem „Gut“ abschließen. Wobei Frank Möckel, der in Auerbach im Vogtland zu Hause ist, die praktische Prüfung mit „Sehr gut“ absolvierte. Wir sprachen mit ihm über seine Erfahrungen während der beruflichen Rehabilitation.

Warum mussten Sie eine berufliche Rehabilitation im BFW Leipzig in Anspruch nehmen?

Bis zur Wende war ich Polsterer, danach bis 2012 Fußbodenleger. Nach 22 Jahren Fußboden war mein Knie im Eimer. Meinen Umschulungsberuf habe ich mir im Vogtland gesucht. Die Firma Technisat Vogtland GmbH, bei der auch mein Schwiegervater arbeitet, hatte genau die Voraussetzungen eines Arbeitsplatzes für mein Knieleiden. Anfangs war eine 2,5-jährige duale Ausbildung geplant, doch die Rentenversicherung bestand auf einer Ausbildung an einem Berufsförderungswerk.

Was war der Grund für Ihre Wahl für das BFW Leipzig?

Die Wahl war, jeden Tag 40km nach Seelingstädt (BFW Thüringen) zu fahren oder im Internat in Leipzig wohnen. Ich habe mich mit Zähneknirschen damals fürs Internat entschieden. Für das Lernen war es im Nachhinein das Beste, was ich tun konnte. Zu Hause sind immer so viele Sachen, die anliegen – man kommt nicht zum Lernen.

Mit welchen Erwartungen sind Sie damals ins BFW Leipzig gekommen?

Für mich stand fest: Nur mit der Umschulung kann ich auch in den nächsten Jahren den Lebensunterhalt für meine Familie verdienen. Ich bin seit vielen Jahren Modelleisenbahner und habe eigentlich mein Hobby jetzt zum Beruf gemacht. Der Anfang war nicht leicht, aber als wir dann in unsere Klassen aufgeteilt wurden, machte es immer mehr Spaß. Christian Hennig ist ein guter Lehrer. Durch seine aufgeschlossene Art wurde auch unsere Klasse eine offene Klasse, wo alle offen über Probleme beim Lernen oder auch psychische Probleme reden konnten. Ich glaube, gerade meine Klassenkameraden, die damit Probleme hatten, wussten das zu schätzen. Das kann ich nur loben.

Welche Freuden und welche Probleme sind dann während Ihrer Umschulung auf Sie „eingestürzt“?

Freuden – naja, eher wenig. Ehrlich: Vom Verdienst war ich vorher besser dran. Und trotzdem war es gut so. Oder haben Sie schon mal einen 65-jährigen Fußbodenleger erlebt? Das größte Problem war das Wegsein von zu Hause. Meine Tochter war damals neun, und an Haus und Hof war auch immer was zu tun. Ich konnte mich aber in dem Problem immer auf meine Frau verlassen.

Durch wen erhielten Sie noch Unterstützung während Ihrer Umschulung?

Vor allem durch meine gesamte Familie. Danken will ich meinem Ausbilder Christian Hennig und meinem letzten Reha-Manager Wolfgang Benecke, der auch nach Abschluss der Ausbildung immer noch bei Problemen mit dem Reha-Träger und anderen Sorgen für mich da war. Beide sind super.

Gab es ein Erfolgsrezept, warum Sie so sehr gute Ergebnisse beim Abschluss erzielen konnten?

Weiß ich nicht. Es war halt der Wille, für meine Familie zu sorgen. Gut war, dass ich mich im Internat jeden Abend nochmal mit den Aufgaben des Tages befassen konnte. Das fachliche Wissen von Christian Hennig war die andere Seite, viele Sachen hat er uns mit viel Geduld beigebracht. Viele kleine Tricks und Eselsbrücken, die mir auch heute noch helfen.

Was können Sie neuen Rehabilitanden als Tipps weitergeben?

Man soll sich klar sein, ob man überhaupt will, und dann Zähne zusammenbeißen und durch. Natürlich habe ich auch in meiner Klasse einige Kollegen mit seelischen Problemen gehabt, und da möchte ich keine Tipps geben. Es ist nicht einfach, wenn man nicht selber in so einer Lage ist.

Was vermissen Sie, wenn Sie auf Ihre Umschulung zurückblicken?

Abends mal meine Ruhe auf meinem Zimmer, so ist das.

Foto © M. Lindner, BFW Leipzig